1000 Meter über den Dingen – fast allein am Nebelstein

November 2020 – drückend liegt schon tagelang der dichte Nebel in den tiefen Niederungen des östlichen Flachlandes und es ist wieder allerhöchstens an der Zeit, etwas Sonne zu tanken! Die Wettervorhersage erzählt von einer Nebelobergrenze von 1000 Metern … unser heutiges Wanderziel, der Nebelstein, ragt dann wohl mit seinen 1017 Metern Höhe nur ganz knapp aus dem Nebel – aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Dichtester Nebel begleitet uns bei der knapp zweistündigen Anfahrt ganz in den äußersten Nordwesten Niederösterreichs. Hoffentlich haben wir uns nebeltechnisch nicht verkalkuliert? Doch siehe da, kurz vor unserem Ziel, der Hirschenwies, lichten sich die grauen Schleier und wunderbar golden schickt die Novembersonne ihre tiefstehenden Strahlen durch die feuchten Nebelwände. Was für ein Glück wir doch haben!

Vom Parkplatz Hirschenwies führt uns der Nebelstein-Erlebnis-Rundwanderweg vorbei an spannenden Erlebnisstationen für Groß und Klein durch mystische Wälder, führt uns zu wunderbaren Ausblicken und gipfelt schließlich in der Besteigung des knapp nicht-höchsten Berges des Waldviertels, dem namensgebenden Nebelstein. Beseelt vom Sonnenschein marschieren wir leichten Schrittes die ersten ansteigenden Kilometer durch wahren „Märchenwald“, gespickt von saftig-tiefgrünen Moosen und vorbei an geheimnisvollen Felsformationen, begleitet von wunderschönen Lichtspielen, die sich in den umherziehenden Nebelschleiern brechen. Mystisches Waldviertel at it’s best!

Nach kurzer Wanderung ist schon die erste Station, der „Hochstand“ erreicht. Trotz sagenhafter Ruhe war das Wild aber an diesem Tage zu scheu, sich blicken zu lassen! Nur ein paar Minuten später am sogenannten „Steinplatz“ angekommen bestaunen wir sonnenbeschienene, moosgrüne Granitformationen, die so typisch für das Waldviertel sind.

Jetzt aber will der Gipfel bestiegen werden! Wie durchqueren Wald, Wiesen und Lichtungen und finden uns schon bald am nächsten Highlight des Weges, dem ausblicksreichen und architektonisch beeindruckenden „Visholo“, welches wunderbare Ausblicke weit in den Norden über den Harbacher Mandelberg bis fern nach Tschechien hinein bietet.

Jetzt noch 20 Minuten stramm bergauf marschiert und schon stehen wir am Aussichtsplateu des Nebelsteins! Ein herrlicher Rundumblick von den Voralpen im Süden Niederösterreichs und an klaren Tagen sogar bis zum Dachstein und ganz weit östlich in der Ferne glauben wir sogar, die 140 Kilometer entfernen Leiser Berge zu erahnen … aber ganz sicher waren wir uns nicht! 😊

Lockdownbedingt war uns leider eine Einkehr bei der Nebelsteinhütte nicht gegönnt und so setzen wir unseren Weg gestärkt mit unseren bewährten Jausenbroten auf einer zusätzlichen Schleife durch wunderbar nordisch anmutende Wälder fort. Gedanklich schaut gleich ein Elch ums Eck, so skandinavisch wirkt die Landschaft hier auf uns!

Wir kehren wieder auf den Erlebnisweg zurück, lassen die „Moorkugel“, da außer Betrieb, links liegen und wandern weiter entlang des Pfades bis zur „Holzwerkstatt“, wo man sich musikalisch am überdimensionalen Holzxylophon betätigen und somit noch die letzten Wildtiere vertreiben kann. 😉 Die letzten 3 Kilometer wandern wir genüsslich auf einem schönen Waldpfad retour zum Ausgangspunkt Hirschenwies, nicht aber noch ohne die besten „Mohnzelten-to-go“ von einem uns leider unbekannten älteren Herren, der am Wegesrand wohnt, als Proviant gekauft zu haben! Gerade in Zeiten, wo alle Einkehrmöglichkeiten geschlossen haben, hat uns diese kleine Überraschung besonders erfreut!

Wer jetzt noch Kraft hat, darf sich im grandiosen Motorikpark austoben, der für Jung- und auch Alt tolle Actionerlebnisse bereithält!

Den Kopf gut gelüftet, die Waden mit 400 Höhenmetern geschmiert, die Arme im Actionpark gestärkt und Herz und Seele mit wundervollen und sonnigen Eindrücken gefüllt treten wir müde und zufrieden wieder die Heimreise ins nebelige Nachbarviertel an.

Nebelstein, wir feiern dein Vorhandensein!

Wegstrecke: 13,5 Kilometer
Gehzeit: ca. 4:00 Stunden
Höhenmeter: 400
Wegbeschaffenheit: Durchwegs gut markierte Wald- und Wanderwege, für Alt- und Jung gleichermaßen bestens geeignet, keine technischen Schwierigkeiten.
Beste Wanderzeit: Begehung ganzjährlich möglich